Notwendige Neologismen: „Palliative Didaktik“

Palliative Didaktik, die:

Zusammenfassende Bezeichnung für didaktische Maßnahmen, die nicht das Ziel verfolgen, das Schulsystem im Zeichen der Digitalisierung grundlegend zu verändern (bzw. zu „heilen“), sondern lediglich dazu beitragen, dass die Schüler(innen) im traditionellen (bzw. als „krank“ empfundenen) System bestmöglich angepasst sind.

Palliativ sind didaktische Maßnahmen häufig, wenn mithilfe digitaler Technik längst überkommene didaktische Prinzipien ummantelt (vom lat. „palliare“) werden.

Dass unter dem digitalen Mantel so mancher Lern-Tools in Wahrheit behavioristische Prinzipien versteckt sind, zeigt das folgende Video:

Wichtig ist, dass sich das Prinzip der Palliation auf die Institution Schule (als Teil der sozialen Ontologie) und nicht auf einzelne Schulen oder gar auf Lehrer(innen) bzw. Schüler(innen) bezieht.

Oder anders: Die Institution Schule ist der „Patient“, es sind nicht diejenigen, die in dieser Instituiton lehren bzw. lernen.

Gleichwohl haben palliative Maßnahmen, die sich auf das System richten, Auswirkungen auf den Alltag von Lehrer(innen) und Schüler(innen). Das lässt sich am Beispiel des Personalised Learnings kurz erläutern: Wenn durch Big Data, scheinbar intelligente Algorithmen und instant feedback (sensu Skinner) lediglich maschinelle Formen des Nürnberger Trichters installiert werden, verändert sich das Schulsystem nicht grundlegend.

Wenn die Korrektur von Schülertexten jedoch von Verstehens-Maschinen (wie Pearsons WriteToLearn) übernommen wird, erleichtert diese palliative Maßnahme für alle Beteiligten das schulische Leben.

(vgl. auch palliative Technik)


Nachtrag:

Anlässlich der Veranstaltung „One app fits all – Individuelle Förderung und personalisiertes Lernen im digitalen Wandel“ hatte ich die Gelegenheit, den Grundgedanken der palliativen Didaktik bzw. palliativen Technik etwas ausführlicher zu erläutern:

8 Gedanken zu “Notwendige Neologismen: „Palliative Didaktik“

  1. Pingback: YouTube-Lehrer | Bildung unter Bedingungen der Digitalität

  2. Pingback: Notwendige Neologismen: Palliative Technik | Bildung unter Bedingungen der Digitalität

  3. Pingback: Das SAMR-Modell von Puentedura neu illustriert - Die Frau mit dem Dromedar

  4. Pingback: #molol18: Diskussionsrunde zu Worst Practices – Lernen im digitalen Wandel

  5. Sehr geehrter Herr Krommer,

    ich habe Ihr Vortrag in Köln mit erleben können und war sehr begeistert, wie Sie unsern „digitalen Zeitalter“ beschrieben haben. Danke dafür!

    Ich würde gerne meine Kolleginnen und Kollegen Ihren Vortrag näher bringen und sah hier das Video von den Simpson. Ich würden den gerne als Einstieg nutzen wollen. Könnten Sie mir eventuell die Quelle (Folge) nennen oder den Link bei Youtube senden.

    Ich würde mich sehr freuen.

    Beste Grüße
    Jesús R. Álvarez

    Gefällt mir

  6. Pingback: Learning from the Best – mostblog

  7. Pingback: Von Skinners „Teaching Machines“ (1954) zu den „Learning-Apps“ | Bildung unter Bedingungen der Digitalität

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s