Die Schule als Chinesisches Zimmer. Oder: Wie man Kompetenzen simuliert

Von John Searle (1980, 1984) stammt eines der einflussreichsten Gedankenexperimente aus dem Bereich der Philosophie des Geistes. 

Es ist unter dem Namen Chinese Room Argument bekannt geworden und beschäftigt sich – vereinfacht gesagt – mit der Frage, ob Computer denken können (vgl. zum Einstieg Bertram 2012 oder Nimtz 2013, vertiefend Preston/Bishop 2002 und aus didaktischer Perspektive Krommer 2015).

Die genuin philosophischen Aspekte des Gedankenexperiments – insbesondere die intendierte Widerlegung des Funktionalismus bzw. der strong Artificial Intelligence – spielen im Folgenden keine Rolle. 

Stattdessen wird der „Versuchsaufbau“ des Chinesischen Zimmers herangezogen, um zu zeigen, wie u.a. durch Edu-YouTuber begünstigte Kompetenz-Simulationen zeitgemäßes Lernen erschweren.

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Twitter als Commonplace Book – ein Experiment.

In den letzten drei Monaten habe ich ein kleines Experiment durchgeführt: Meine persönlichen Lektürenotizen habe ich nicht – wie sonst – für mich privat gespeichert, sondern ins Netz geschrieben und Twitter gleichsam als Commonplace Book genutzt.

Commonplace Books sind Notizbücher, die in der Tradition der mittelalterlichen Florilegia stehen und deren Blütezeit mit der Renaissance nicht zuletzt deshalb begann, weil das teure Pergament durch kostengünstiges Papier abgelöst wurde und auf diese Weise neue Möglichkeiten der Speicherung von Wissen möglich wurden. Ursprünglich dienten sie zur Sammlung von Sprichwörtern und anderen Gemeinplätzen (=„loci communes“), von denen sich die Bezeichnung „Commonplace” ableitet. Eine umfassende kulturhistorische Betrachtung der Commonplace Books und der Geschichte des „Note-Takings” findet sich in den Werken von Ann Blair (2010) und Richard Yeo (2014). 

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