EdTech aus dem letzten Jahrtausend: kybernetische Pädagogik und künstliche Intelligenz

Der folgende Text stellt den Versuch dar, Aspekte des Diskurses über die kybernetische Pädagogik auf die aktuelle Debatte um den Einsatz künstlicher Intelligenz zu beziehen und daraus Folgerungen für den Bildungsbereich abzuleiten. Er folgt dem Vorschlag von Kümmel/Scholz/Schumacher (2004, S. 7), nicht die technischen Entwicklungen in den Mittelpunkt zu stellen, sondern „die Diskurse zu untersuchen, die aus bloßen Ereignissen der Technik solche der Kultur machen“.


Vor mehr als einem halben Jahrhundert, am 16.06.1967, erschien in der ZEIT ein Artikel mit der Überschrift „Lernen im Zeitalter der Automation“, in dem es um den Einsatz von elektronischen Lehrmaschinen im Bildungsbereich geht.

Würde man den Text an die neuen Rechtschreibregeln anpassen, ließe er sich – zumindest in Auszügen – durchaus in einer aktuellen Ausgabe der ZEIT platzieren. Denn in dem Artikel ist u.a. die Rede von:

  • großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie der extrem kurzen Halbwertszeit des Wissens und der „Informationsüberschwemmung“, denen man mit neuen Formen des Lehrens begegnen müsse
  • der Notwendigkeit, das Lernen „individuell nach seinem eigenen Tempo und einer sich selber angepaßten Reihenfolge“ zu gestalten
  • der „Mathematisierung und Technisierung der Pädagogik“ und großen „Rechenautomaten“, denen man die „Konstruktion von Lehrprogrammen“ übertragen müsse
  • der Möglichkeit, dass Lehrautomaten menschliche Lehrer:innen ersetzen könnten, weil sie „größere Effektivität“ versprechen würden
  • Vorlesungen, die für „eine relativ einfache audiovisuelle Lehrmaschine umgearbeitet“ wurden und zu besseren Lernerfolgen führten als konventionelle Lehrveranstaltungen
  • der Sorge der Grundschullehr:innen, „daß nur ältere Schüler, vielleicht sogar nur Erwachsene mit ‘toten Apparaten’ lernen können, während das Kind den ununterbrochenen Kontakt zu seinem Lehrer bedürfe“.

Der Autor dieses erstaunlich modern klingenden Textes war Helmar Frank, einer der Hauptvertreter der kybernetischen Pädagogik, der sein Fachgebiet als „die Gesamtheit der Fragestellungen, […] die sowohl in den Bereich der Kybernetik als auch in den Bereich der Pädagogik fallen,“ definiert (vgl. Frank 1966, S. 5). 

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