Warum Skinner-Apps nicht als Einstieg in die Arbeit mit digitalen Medien taugen

Um den Einsatz didaktisch problematischer Skinner-Formate wie LearningApps, LearningSnacks, Kahoot etc. zu rechtfertigen, wird häufig folgendes Argument vorgetragen:

Skinner-Formate erlauben einen einfachen Einstieg in die Arbeit mit digitalen Medien. Gerade Kolleg(inn)en, die im Umgang mit digitalen Medien unerfahren sind, sich aber neugierig auf den Weg machen möchten, brauchen einfache Einstiege. Also ist es für diese Kolleg(inn)en legitim, Skinner-Formate zu nutzen.

In der Konsequenz wird dann denjenigen, die Skinner-Formate aus didaktischen Gründen ablehnen, vorgeworfen, unerfahrenen Kolleg(inn)en den Zugang zur Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht unnötig zu erschweren.

Diese Denkweise ist schon deshalb fragwürdig, weil nicht Prinzipien guten Unterrichts, sondern die medienspezifischen Defizite der Lehrenden im Vordergund stehen.

Außerdem lässt sich rasch zeigen, dass die gesamte Argumentation unhaltbar ist:

  1. Alle Lehrer(innen) sind auf der Ebene der Didaktik professionell ausgebildet, aber nicht alle haben auf der technischen Ebene des Einsatzes digitaler Medien bereits Erfahrungen gesammelt.
  2. Die wesentlichen Unterschiede zwischen digital erfahrenen und digital unerfahrenen Kolleg(inn)en liegen daher auf der Ebene der Technik, nicht auf der Ebene der Didaktik.
  3. Skinner-Apps sind technisch nicht wesentlich komplizierter oder einfacher als offene Formate. Um Skinner-Formate (z.B. Kahoot) und offene Formate (z.B. Padlet) im Unterricht einzusetzen, genügen jeweils wenige Mausklicks.
  4. Oft stellen Skinner-Formate technisch sogar höhere Anforderungen als offene Formate: Ein Kahoot-Quiz mit Fragen, richtigen Antworten und guten Distraktoren selbst zu erstellen, ist de facto viel aufwändiger als ein „leeres“ Padlet aufzusetzen.
  5. Auf der Ebene der Technik, wo die relevanten Unterschiede zwischen digital erfahrenen und digital unerfahrenen Kolleg(inn)en bestehen, gibt es keinen Anlass, Skinner-Formate als Einstieg zu verwenden.

Die durchaus betrübliche Konsequenz aus diesen Thesen lautet:

Dass LearningApps & Co. so erfolgreich sind, liegt nicht daran, dass sie technisch einen einfachen oder gar notwendigen Einstieg ermöglichen. Vielmehr ist es auf der didaktischen Ebene leichter, Skinner-Apps einzusetzen, und didaktisch viel anspruchsvoller, offene Formate zu integrieren.

Wer Skinner-Formate mit dem Hinweis auf ihre Einfachheit verteidigt, nutzt ein technisches Feigenblatt, um den fehlenden Mut zu didaktischer Offenheit notdürftig zu verdecken.

Ein Gedanke zu “Warum Skinner-Apps nicht als Einstieg in die Arbeit mit digitalen Medien taugen

  1. Pingback: Die Kritik der Kritik an Skinner-Apps: eine kleine Typologie | Bildung unter Bedingungen der Digitalität

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