Datenschutz statt Didaktik. Oder: Was die „telli“-PR unfreiwillig verdeutlicht.

Auf der Website der Schul-KI „telli“ findet man zwei Textblöcke, die im Kern zeigen, wie sich der Bildungsdiskurs seit November 2022 verschoben hat: 

(Quelle des Screenshots: https://telli.schule/)

Begriffe wie „komfortabel“, „effizient“, „schnell“ und „rechtssicher“ adressieren keine pädagogischen Ziele, sondern Arbeitsentlastung und Risikominimierung.

KI wird als Zeitersparnis-Tool für Routineaufgaben feilgeboten, nicht als Chance zur Verbesserung der Aufgabenqualität oder der fachdidaktischen Fundierung von Lehr- und Lernprozessen.

Nicht „Didaktik“, sondern „Datenschutz“ ist das relevante PR-D-Wort: „telli“ ist „speziell für deutsche Schulen entwickelt“ worden, weil im Neuland juristische Unsicherheit und Angst  ganz besonders lähmend wirken.

Schließlich sind in allen Bundesländern die Gefängnisse voll von Lehrenden, die gegen Datenschutzvorschriften verstoßen haben.

Die Nutzung von „telli“ wird daher explizit über Rechtssicherheit und Vertrauenswürdigkeit, nicht über didaktische Qualität legitimiert.

Zumindest die PR-Inszenierung von „telli“ ist nicht innovativ, sondern kompatibilistisch: als Arbeitsentlastungstechnologie (für Lehrer:innen), als Risikominimierungstechnologie (für Schulleiter:innen) und als Compliance-Produkt (für Schulträger).

Die bildungspolitische Strategie, die hinter „telli“ zu stecken scheint, ist eine Form des Technosolutionismus: Anstatt die sozialen, strukturellen, ökonomischen und institutionellen Gründe für Defizite im Schulsystem in den Vordergrund zu rücken, behandelt man diese komplexen Probleme allesamt wie Nägel, die man mit dem KI-Hammer einschlagen kann.

So verschiebt sich der Bildungsdiskurs: Weg von der Frage, wie Lernen bestmöglich gelingen kann, hin zu der Frage wie man möglichst entlastet und rechtssicher unterrichten kann.