Schwarze Pädagogik und der Bayerische Philologenverband

Der Bayerische Philologenverband (bpv) wendet sich in einer als „Faktencheck und Kommentar“ betitelten Stellungnahme gegen eine Petition zur Abschaffung unangekündigter Leistungsnachweise in Bayern.

Ein „Argument“ für die Beibehaltung unangekündigter Tests lautet:

Im Berufsleben sind wir […] immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen auch unangekündigt Leistung erbracht werden muss. Aufgabe der Schule ist es, auch hierauf vorzubereiten. Wir halten deshalb unangekündigte Leistungsnachweise für ein pädagogisches Instrument, das auch heute noch sinnvoll eingesetzt werden kann. (Quelle)


Doch in Wahrheit ist es natürlich Unsinn, wenn man annimmt, dass der erfahrene Ingenieur, der gerade beim Bau eines Atomkraftwerks „unangekündigt“ seine Leistung abrufen muss, dankbar an die unangekündigten Vokabeltests zurückdenkt, die ihn punktgenau auf diese Herausforderung vorbereitet haben.

Um traditionelle Daumenschrauben schwarzer Pädagogik (vgl. Rutschky 1977) zu erhalten, werden wohlfeile Scheinargumente präsentiert.

Unangekündigte Tests sind vor allem Machtinstrumente, die Angst und Stress erzeugen und das Lernen be- und verhindern. Sie sind schon aus moralischen Gründen abzulehnen. 

Schülerinnen und Schüler können sie nur auf eine Weise sinnvoll instrumentalisieren: als Charaktertest ihrer Lehrerinnen und Lehrer.

Literatur:

Rutschky, Katharina (Hrsg.) (1977):  Schwarze Pädagogik. Quellen zur Naturgeschichte der bürgerlichen Erziehung. Ullstein.

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