Die Leopoldina-Smartphone-Zombies


Das Cover der Leopoldina-Studie zum Thema „Soziale Medien und die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ greift ein altbekanntes Stereotyp und einen visuellen Dauerbrenner alarmistischer Rhetorik auf: den Smartphone-Zombie.


Zu sehen ist eine Gruppe junger Menschen, deren Gesichter von kaltem, bläulich-weißem Smartphone-Licht geisterhaft angestrahlt werden. Der Hintergrund bleibt unscharf, es mangelt an „realer“ Umgebung. Die Menschen sind nach vorne gebeugt, Kopf und Blick gesenkt, der Ausdruck auf den Gesichtern ist leer und lethargisch, es gibt keine Blickkontakte untereinander, keine Lebendigkeit, keine soziale Interaktion.


Auf dem Cover einer wissenschaftlichen Studie darf man eine neutral-illustrative Darstellung erwarten. Das Cover der Leopoldina-Studie ist hingegen irritierend wertend. Das Thema wird einseitig negativ emotionalisiert, das Bild fungiert als visuelles Framing, das den problematisierenden Grundton der Studie schon vor der Lektüre festlegt.


Es steht zu hoffen, dass die Leopoldina nur einen neuen Cover-Bild-Aussuch-Praktikanten (m/w/d) braucht.

2 Gedanken zu “Die Leopoldina-Smartphone-Zombies

  1. Ich habe grade mal geschaut, woher das Titelbild stammt, weil es doch arg nach KI aussieht, und voilá, im Impressum des Diskussionspapier steht, dass Henrik Hofmeister („unter Zuhilfenahme einer KI“) für das Bild verantwortlich ist. Henrik Hofmeister ist Grafiker in der Abteilung Wissenschaft – Politik – Gesellschaft an der Leopoldina. Also leider keine ahnungslose Praktikantenperson, sondern jemand, der um die Wirkung von Bildern weiß. Das wiederum gruselt mich – v.a. (wenn auch nicht nur) im Kontext Wissenschaftskommunikation.

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