„Drop the Shields!“ – Warum Schulen auf Commander Data hören sollten

Ich habe gerade einen -für Netzverhältnisse – uralten und wirklich wunderbaren #om13 -Vortrag von +Jöran Muuß-Merholz  angesehen, der plausibel erklärt, warum die digitale Revolution des Lernens gescheitert ist:

#om13 – x learning (Jöran)

Darin geht die Rede auch davon, dass die mit dem Internet verbundenen Hoffnungen auf Transparenz, Teamwork, Mitgestaltung, Selbstbestimmung etc. in der real existierenden Schule 2013 bitter enttäuscht wurden und werden. Ein Grund dafür ist laut Muuß-Merholz, dass in den Schulen 90% der Energie auf das Aussperren des Internets gelenkt werden, statt dessen Potenziale sinnvoll einzusetzen.

Das hat mich an etwas erinnert.

Viele Schulen verhalten sich nämlich gegenüber dem Internet so wie die Enterprise gegenüber unbekannten Bedrohungen aus den Tiefen des Raumes. Wenn sich das Internet den Schulen nähert, heißt es: „Filter an! Proxys konfigurieren! Zugangsbeschränkungen aktivieren! Smartphones und Social Media verbieten!“ Oder kurz: „Shields up!“, wie Picard sagen würde.

Alle schulische Energie wird auf die Schutzschilde wider das böse Internet gelenkt, damit man im Schonraum des Hauses des Lernens weiter wohl behütet bleibt.

Vielleicht können die Schulen jedoch von Star Trek lernen. Denn in TNG S5E11 („Hero worship“) begibt sich (grob gesagt) Folgendes:

Die Enterprise wird von einem schwarzen Schwarm bedroht, der starke Gravitationskräfte besitzt, die das Schiff zu zerstören drohen. Die zunächst logisch und Erfolg versprechende Strategie lautet: „Shields up!“ Jedoch: Je mehr Energie man auf die Schilde leitet, desto verwundbarer wird das Schiff. Als Worf schließlich sogar Warp-Energie einsetzen will, um die Schilde zu stärken, zieht Data die Notbremse: „Drop the shields!“, ruft er Picard zu:

DATA: Sir, drop the shields.
RIKER: That’s suicide, Data.
DATA: Captain, drop the shields.
PICARD: Make it so.
WORF: Aye.

Und siehe: „Drop the shields!“ war der richtige Weg, um der Bedrohung zu begegnen. Die Enterprise wackelt ein wenig, als der schwarze Schwarm über sie hinwegfegt, aber sonst passiert – nichts.

Data erklärt:

DATA: Our own shields caused the increases in the wavefronts, sir. We have been experiencing a harmonic amplification effect.

Die Analogie zur Schule ist überdeutlich. Denn solange versucht wird, alle Energie auf die Abwehr des Internets zu lenken, greift der „harmonic amplification effect“: Ein Mehr an Energie, das den Schilden zugeführt wird, bewirkt ein Mehr an Energie, genau diese Schilde zu umgehen. Doch diese Strategie macht das Schiff, pardon: die Schule letztlich manövrierunfähig.

Dass ausgerechnet der emotionslose Data „Dop the shields!“ ruft, ist ebenfalls bezeichnend. Denn solange unreflektierte Angstmacher wie Spitzer die Debatte um neue Medien in der Schule unnötig emotionalisieren, trauen sich nur wenige, die Schutzschild-Strategie anzuzweifeln.

Auf den Kommandobrücken vieler Schulen würde man sich also einen mutigen Data wünschen, der mit dem Ruf „Drop the Shields!“ die Energien wieder erstmals in die richtigen Kanäle lenkt.

P.S.: Den TNG-Ausschnitt gibt’s hier:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s