Der Wii-Effekt

oder: Warum man Essays in der Schule nicht maschinell auswerten sollte

Jeder, der einmal mit der Wii-Spielekonsole Tennis gespielt hat, weiß es: Zu Beginn versucht man noch, mit der Fernbedienung in der Hand die „echten“ Tennis-Bewegungen nachzuahmen, doch rasch wird klar, dass manchmal nur ein kleiner Dreh mit dem Handgelenk nötig ist, um die Wii-glauben zu machen, man habe einen herrlichen Slice gespielt.

Kurz: Man lernt sehr schnell, dass nicht die „echten“ Tennisbewegungen, sondern die am Algorithmus orientierten „Wii-Bewegungen“ zum Erfolg führen. Und nach einiger Zeit haben die Bewegungen eines erfolgreichen Wii-Tennisspielers nur noch wenig mit den Bewegungen eines „echten“ Tennisspielers gemeinsam.

Meine These:

Ein ähnlicher Effekt wird sich in der Schule einstellen, wenn Schüler(innen) ein automatisch-algorithmisiertes Feedback zu komplexen schriftlichen Texten (z.B. zu einer Zusammenfassung) bekommen: Ihr Schreibverhalten wird sich nicht mehr an „echten“ Zusammenfassungen orientieren, sondern (ggf. unbewusst) an den Algorithmus anpassen.

Die Texte, die dann entstehen und vom Algorithmus die volle Punktzahl erhalten, werden dann nur noch wenig mit den Texten gemeinsam haben, die wir vormals als gute Zusammenfassungen bezeichnet hätten.

Man könnte das den „Wii-Effekt“ im Bereich des Schreibens nennen.

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