Ostensiver statt reflexiver Einsatz von Technik

Ostensiver Einsatz von Technik:

In Schulen verbreiteter Einsatz zumeist digitaler Technik, der nicht in erster Linie didaktisch motiviert oder reflexiv begründet ist, sondern auf die mediale Außenwirkung gut sichtbarer Hardware setzt.

Besonders beliebt ist der ostensive Einsatz von Technik bei Schulleiter(inne)n, da ein Pressefoto von Schüler(inne)n vor einem Whiteboard oder in einem gut ausgestatteten Computerraum den Eltern visuell suggeriert, dass die jeweilige Schule modern und innovativ ist.

Kleine Argumentationshilfe wider die Internetskeptiker

Das Problem:

Wenn man wenig internetaffine Skeptiker darauf hinweist, dass man die Social Media nicht wirklich beurteilen kann, wenn man sie nicht aus eigener Erfahrung kennt, dann hört man häufig folgende Antwort:

„Ich muss auch keine eigenen Erfahrungen mit Drogen machen, um zu wissen, dass Drogen gefährlich sind.“

Wie kann man diesen Einwand entkräften?

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Der größte Vorteil des „interaktiven Whiteboards“

Der unten abgebildete Zeitungsartikel verdeutlicht exemplarisch verschiedene Aspekte des Whiteboard-Debakels an deutschen Schulen:

(a) Unglaubliche Investitionen für ostensive Technik, die in einigen Monaten niemand mehr nutzt und die bis dahin höchstwahrscheinlich als technisierte Form der Lehrerzentrierung zum Einsatz kommt.

(b) Selbst Schüler (!) sammeln Gelder, die dann für die überteuerte Technik ausgegeben werden, obwohl man in einem BYOD-Szenario mit demokratisiertem Beamer und einer Software wie „ExplainEverything“ mehr machen könnte.

(c) Das obligatorische Pressefoto ist ein Beleg für die These, dass der größte Vorteil des Whiteboards die Tatsache ist, dass man sich davor fotografieren lassen kann.

(d) Es gibt einen Verweis auf das Ende der „Kreidezeit“, der in keinem schlechten Artikel über digitale Technik fehlen darf.

Whiteboard-Foto

Welchen Mehrwert haben digitale Medien für das schulische Lernen?

Antwort auf Christian Ebels Frage nach dem Mehrwert digitaler Medien (vgl. auch: Zusammenfassung aller Antworten).

tl;dr

Der Mehrwert des Flugzeugs besteht nicht darin,
schneller zum Bäcker zu kommen.
Der Mehrwert digitaler Medien besteht nicht darin,
alte Ziele schneller zu erreichen.


Engelbert Thaler, ein Englisch-Didaktiker aus Augsburg, bringt in einem Interview eine sehr weit verbreitete Vorstellung davon zum Ausdruck, was (digitale) Medien sind und welche Funktion sie für den Unterricht haben:

Entscheidend bei den Medien ist, dass man sich an die Bedeutung des Wortes erinnert: Die haben halt eine dienende Funktion, also „Go for goals!“. Die erste Frage muss nach den Unterrichtszielen sein, die zweite Frage kann erst nach den Mitteln und Wegen dorthin sein.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?t=400&v=8LcdKfDVgYI#t=7m7s
(Nachzulesen auch unter: http://www.lehrer-online.de/1019038.php)

Nun ist die These, dass die Bedeutung (oder die Etymologie) des Wortes “Medium” in irgendeiner Weise auf dessen dienende Funktion hinweise, zwar grundfalsch, aber höchst interessant: Denn wer Medien lediglich als Diener (oder alternativ als reine Werkzeuge) ansieht, deren Funktion darin besteht, hehre und zuvor festgelegte Lernziele zu erreichen, gründet seinen Unterricht auf ein theoretisch marodes Fundament, das vielleicht Buch und Tafel, nicht aber Smartphone und Tablet trägt.

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„Das Ende der Kreidezeit“ – Die Überschrift als Schibboleth

Texte über digitale Bildung und/oder die Schule, die die Überschrift „Ende der Kreidezeit“ tragen, gibt es wie Sand am Meer (s. Screenshot).

Die Überschrift funktioniert hier inzwischen wie ein Schibboleth:

Diejenigen, die den Diskurs um digitale Bildung nicht kennen, finden den Slogan „Ende der Kreidezeit“ originell und werden zum Lesen animiert.

Diejenigen, die den Diskurs jedoch genau kennen, wissen bereits anhand der Überschrift, dass sie von einem Autor, der den Slogan „Ende der Kreidezeit“ wählt, nichts Neues zu erwarten haben.

Das ist eine Win-Win-Situation: Unkundige werden in den Diskurs gelotst, Kundige können bereits nach der Überschrift mit der Lektüre des jeweiligen Textes aufhören. Das spart Lese- und Lebenszeit.

Ende-der-Kreidezeit

Über Eindrücke von Tabletklassen

 

Heute spülte mir Twitter einen sehr interessanten Text in die Timeline. Er hebt an mit einem Tweet:

„Glaube, ich will keine »TabletKlasse«, sondern guten Unterricht machen, in dem ich das jeweils didaktisch best (sic!) geeignete Medium nutzen kann.“

Der hier konstruierte Gegensatz („Ich will nicht x, sondern y) ist irritierend: Warum sollte man in Tablet-Klassen keinen guten Unterricht machen können? Warum sollte man nicht das jeweils didaktisch am besten geeignete Medium wählen können? Welches Bild von der Arbeit in Tablet-Klassen liegt dem Text zugrunde?

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Lesesucht und Onlinesucht

Das Problem:

In vielen Debatten über die Nutzung des Internets wird von bewahrpädagogischen Kritikern darauf hingewiesen, dass das Netz süchtig mache und dass die Jugendlichen von heute nur noch ziellos und ohne Plan durch alle möglichen Webseiten surfen und nicht mehr selbst denken.

Wie kann man diesem Argument begegnen?

Eine Lösung:

Ein kommodes Mittel, solche Einwände zu relativieren, ist der Blick in die Mediengeschichte. So findet sich beispielsweise in einem Text aus dem Jahre 1867 folgende Charakterisierung der Lesesucht:

„Diese Lesesucht ist eine unmäßige Begierde, seinen eigenen unthätigen Geist mit den Einbildungen und Vorstellungen Anderer, aus deren Schriften vorübergehend zu vergnügen. Man liest, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu – lesen; man lieset das Wahre und das Falsche prüfungslos durcheinander, ohne Wißbegier, sondern mit Neugier.“

Lesesucht

Quelle: Bayerischer Schulfreund. Zentralblatt für vaterländisches Elementar-Schulwesen (Empfohlen durch königl. Ministerialreskript vom 25. März 1864). Nr. 44 vom 31.10.1867, S. 347.

Wenn man nun alle Begriffe, die sich auf die Lesekultur beziehen, durch Begriffe aus der Internetwelt ersetzt, erhält man:

„Diese Onlinesucht ist eine unmäßige Begierde, seinen eigenen unthätigen Geist mit den Einbildungen und Vorstellungen Anderer, aus deren Websites vorübergehend zu vergnügen. Man surft, nicht um sich mit Kenntnissen zu bereichern, sondern um zu – surfen; man surft durch Wahres und Falsches prüfungslos durcheinander, ohne Wißbegier, sondern mit Neugier.“

Das verdeutlicht exemplarisch, dass sich die Form der Argumente wider die Medien im Laufe der Geschichte kaum verändert hat. Ein Internet-Kritiker kann die Form von Argumenten nutzen, die bereits gegen das Lesen vorgebracht wurden und die aus heutiger Sicht bestenfalls amüsant klingen.

Früher hat die Mutter vielleicht gesagt: „Lies nicht so viel, geh lieber raus in den Wald!“ Heute bekommt Björn-Kevin zu hören, er möge doch nicht so viel im Internet surfen, sondern lieber ein gutes Buch lesen.

Die Quintessenz:

Natürlich ist bei solchen Argumenten Vorsicht geboten, denn die Tatsache, dass sich ein Einwand in der Vergangenheit als unbegründet erwiesen hat, garantiert nicht, dass er sich auch in Zukunft als unbegründet erweist. Induktive Argumente, die Standardsituationen der Technikkritik aufgreifen, sind daher bestenfalls Relativierungen bewahrpädagogischer Positionen.

Prüfungssituationen in den Zeiten des Internets

Oder: Warum die Forderung nach neuen Aufgabenformaten viel zu kurz greift.

Wenn man die Diskussionen der letzten Zeit verfolgt, scheint folgende These inzwischen opinio communis zu sein:

Die Aufgabenformate an den Schulen und Unis müssen verändert werden, weil Schüler(innen) und Studierende inzwischen vieles von dem, was sie wissen oder eigenständig erarbeiten sollten, einfach googeln (können).

So könne man z.B. nicht mehr den Auftrag geben, einen Text zusammenzufassen, weil Schüler(innen) dann einfach die Zusammenfassung aus dem Netz per Copy&Paste übernehmen.

Die große didaktische Herausforderung besteht vor diesem Hintergrund darin, möglichst viele googleresistente Aufgabenformate zu entwickeln. Statt eine Zusammenfassung zu schreiben, sollten Schüler(innen) beispielsweise zwei Zusammenfassungen googeln und dann differenziert begründen, welche die bessere ist.

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Zuckerwürfel-Wissen

Dieses kurze Video, das ursprünglich für einen Impulsvortrag zum Thema „Digital selber lernen“ im Rahmen der Wikimedia-Veranstaltungsreihe „Digitale Kompetenzen“ konzipiert wurde, soll zum einen visualisieren, wie sich Lernen, Wissen etc. unter den Bedingungen der Digitalisierung verändern und warum es sinnvoll sein kann, auf den Begriff „digitales Lernen“ zu verzichten. Zum anderen soll gezeigt werden, wie die Schule auf die Digitalisierung reagiert bzw. nicht reagiert.